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Die Mauer für „arme Schlucker“

Rund um den Lainzer Tiergarten

Die Mauer um den berühmten Naturpark ist das bestimmende Element dieser Tour, die über weite Etappen „an der Wand lang“ verläuft. Über die Mauer hinweg bieten sich interessante Blicke auf die üppige Vegetation des Naturschutzgebiets. Die längste Tour dieses Führers ist für Wanderer geeignet, die gern kilometerweit märchenhafte Waldgebiete durchstreifen.

WEGVERLAUF: Rundwanderung. Hütteldorf (U-Bahn) – Betriebsumkehr der Autobahnmeisterei (1 Std.) – Laaber Tor (1 ¼ Std.) – Schießstätte (1 Std.) – Zur Wildsau (1 Std.) – Hütteldorf (45 Min.)

 VARIANTE 1: Hütteldorf (U-Bahn) – Rohrhaus (1 ¼ Std.) – Hirschgstemm (30 Min.) – Laaber Tor (30 Min.)

 VARIANTE 2: Laaber Tor – Hirschgstemm (30 Min.) – Hubertuswarte (15 Min.) – Rohrhaus (15 Min.) – Nikolaitor/Hütteldorf (1 Std.).

 Die Varianten sind nur während der Öffnungszeiten des Tiergartens begehbar (Anfang Februar bis Anfang November).

 DAUER: Bei einem Gehtempo von 5 km/h etwa 5 Std., Varianten 4 bis 5 Std.

 LÄNGE: Start U-Bahn: 24,5 km, Variante 1: 23 km, Variante 2: 20,5 km; Start Nikolaitor: 23,5 km, Variante 1: 22 km, Variante 2: 19 km

 SCHWIERIGKEITSGRAD: Aufgrund der Länge und der nur spärlich vorhandenen Einkehrmöglichkeiten – das erste Lokal wird erst nach 16 km erreicht – ist diese Tour nur für geübte Wanderer ein Genuss.

 WEGMARKIERUNGEN: Rot-Weiß-Rot mit „44“, braune Tafeln „Rund um den Lainzer Tiergarten“; auf den Varianten hölzerne Pfeiltafeln

 EINKEHRMÖGLICHKEITEN: Gasthaus zur Schießstätte (Mi und Do Ruhetag, im Winter nur am Wochenende geöffnet), Gasthaus Lindwurm (Fr Ruhetag), Heurigenschenke „Zur Wildsau“ (im Sommer kein Ruhetag); auf den Varianten: Hirschgstemm (Mo Ruhetag) und Rohrhaus (kein Ruhetag).

 ANFAHRT: • Mit der U-Bahn-Linie 4 bis zur Endstelle Hütteldorf; über den Ausgang Hadikgasse und den Hackinger Steg den Wienfluss zum 13. Bezirk hin überqueren; dann nach rechts die Promenade neben der Westeinfahrt bis zur Stampfergasse (ca. 500 m), durch diese in die Auhofstraße; dort nach rechts bis zur Nikolausgasse, die zum Nikolaitor führt.

  • Mit dem Auto über die Wiener Westausfahrt Richtung A1; kurz nach Unterquerung von U-Bahn-Brücke und Hackinger Steg nach links über die Hütteldorfer Brücke in den 13. Bezirk abbiegen (letzte Abbiegemöglichkeit vor der Autobahn!). Die kurze Rußpekgasse mündet in die Auhofstraße, in die rechts einzubiegen ist, um nach 400 m die Nikolausgasse erreichen zu können, die direkt zum Nikolaitor und in die Himmelhofgasse führt, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen.

 HINWEIS: Die naturbelassenen Wegpassagen (ca. die Hälfte der Distanz) sind nach Niederschlägen oft recht rutschig und morastig, so dass sich die Wanderung eher während längerer Trockenperioden empfiehlt.

 DER WANDERWEG

 Variante 1: Wer sich den mühsameren Teil dieser Wanderung ersparen und stattdessen durch den Lainzer Tiergarten spazieren will, betritt den Biosphärenpark gleich durch das Nikolaitor und durchquert ihn dann – in umgekehrter Reihenfolge gegenüber der Variante 2 – über die Stationen Rohrhaus – Hubertuswarte – Hirschgstemm – Dianator bis zum Laaber Tor; danach setzt man die Route außerhalb der Tiergartenmauer fort.

Vor dem Nikolaitor des Lainzer Tiergartens wenden wir uns durch die verlängerte Himmelhofgasse Richtung stadtauswärts. Der erste Abschnitt der Wanderung verläuft neben der leider äußerst lärmigen Wiener Westeinfahrt, ist aber von herrlichen Kastanien gesäumt. Wir passieren im Zuge der Hofjagdstraße das Umspannwerk Wien-West in Auhof. Die Tiergartenmauer tritt in diesem Bereich hinter die Anlage und eine Kleingartensiedlung zurück, wird aber nach dem Forsthaus Auhof beim Pulverstampftor wieder erreicht. Wir gehen hinter einer verlassenen Tankstelle, dem Hotel „Lenas West“ und dem anliegenden Parkplatz vorbei und unterqueren gut 500 m danach die Westautobahn, womit wir den Nahbereich der Mauer für etwa 2 km verlassen.

Nach einem Wildschutzzaun und einem Gittertor biegen wir im Bezirksteil Weidlingau autobahnseitig links ab. Wir durchschreiten ein lichtes Waldstück; nach dem nächsten Kreuzungspunkt überqueren wir eine Schneise unter Hochspannungsleitungen und bewegen uns im nächsten Waldstück leicht bergauf. Hier sind rechts hinter Sträuchern Mauerreste zu erkennen, die daran erinnern, dass dieses Gelände vor dem Autobahnbau Teil des Lainzer Tiergartens war. Bei der Adresse Leischinggasse 4 treten wir schließlich aus dem Wald. Wir halten uns links auf dem leicht ansteigenden Fahrweg der verlängerten Gasse und passieren dann freies Gelände grob im Verlauf der Stromleitungen, bis wir zu einem Wildschutztor vor der Betriebsumkehr der Straßenmeisterei gelangen, wo wir auf einer Brücke die Westautobahn überqueren (1 Std.).

Der Pfad (Nr. 44) zweigt nun nach links (Richtung „Dreihufeisenberg/Laab“) ab. Wir gehen durch ein schmales Zauntor und dann die nächsten Kilometer nahe an der Tiergartenmauer entlang, die gleichzeitig die Wiener Stadtgrenze darstellt. Nach der lang gestreckten Glasgrabenwiese dringen wir in urwüchsigen Laubwald ein und nehmen den recht anspruchsvollen Aufstieg zum höchsten Punkt des Lainzer Tiergartens in Angriff. Am Ende der beträchtlichen Steigung befindet sich die Selbstkontrolle Dreihufeisenberg des Sternwanderwegs 44 in 518 m Höhe.

Den Gipfel selbst erreichen wir allerdings erst 700 m danach, und zwar an jener Stelle, wo die Mauer scharf nach links abknickt. Der folgende gemütliche Abschnitt bietet etwas Erholung von der vorangegangenen Strapaze: Wir marschieren unter freiem Himmel auf einer breiten Forststraße (Sulzwiesenstraße) in Serpentinen sanft bergab und verlassen dabei wieder den Nahbereich der Mauer. An der nächsten Wegkreuzung wählen wir den talwärts führenden Ast; bei der folgenden T-förmigen Kreuzung halten wir uns links. Etwa 500 m weiter kommen wir zum Laaber Tor oder Dianator, das 1966 errichtet wurde, als – zum Ausgleich für die Flächenverluste durch den Autobahnbau – ein Teil des Gemeindegebiets von Laab im Walde dem Tiergarten eingegliedert wurde (2 ¼ Std.).

Abkürzung: Vom Laaber Tor abgewendet geht man ins Zentrum von Laab und von dort weiter zur Autobusstation „Friedhof“, von der aus eine Verbindung zum Bahnhof Liesing besteht.

Variante 2: Durch das Laaber Tor betreten wir den Tiergarten (Öffnungszeiten beachten! – siehe „Ein letztes Stück ,Urwald‘“). Auf der Asphaltstraße passieren wir das Alte Dianator – das bis 1966 als Eingang diente – mit dem dortigen Jagdhaus und erreichen bald die Gaststätte Hirschgstemm, die für ihre Wildspezialitäten bekannt ist.

Von hier aus wählen wir den Weg Richtung „Rohrhaus“ und verlassen die Straße, um den 508 m hohen Kaltbründlberg zu ersteigen. Von der Hubertuswarte auf dem Gipfel können wir einen schönen Rundblick genießen. Der Abstieg bringt uns dann zum Rohrhaus, einer weiteren beliebten Einkehrmöglichkeit. In den Gastgarten können sich gelegentlich auch Wildschweine verirren.

Wir bleiben auf den Naturwegen und schlagen die Richtung zum „Wienerblick“ ein. Nach ca. 1 km weist eine Tafel nach rechts zu eben diesem Aussichtspunkt auf der Baderwiese, der einen herrlichen Panoramablick auf Wien eröffnet. 2002 stattete das japanische Kaiserpaar dem Lainzer Tiergarten einen Besuch ab; der Tenno-Kogo-Stein auf der Baderwiese erinnert bis heute an dieses Ereignis. Links und recht des Denkmals wurden japanische Lärchen gepflanzt.

Anschließend setzen wir unsere Wanderung auf dem nun wieder bergab führenden Hauptweg fort, gehen aber nicht zum (geschlossenen) Adolfstor, sondern halten auf das Nikolaitor zu. Nach einer letzten kurzen Steigung auf dem Hagenberg senkt sich der geschotterte Weg zum Wiental hin. An der Sankt-Nikolai-Kapelle aus dem 13. Jh. vorbei gelangen wir schließlich zum Nikolaitor und damit zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.

(Fortsetzung nach Variante 1) Der Abschnitt nach dem Laaber Tor (Mauerwaldstraße der Österreichischen Bundesforste) verläuft durch einen Mischwald aus Buchen, Eichen und einzelnen Föhren und ist eindeutig markiert. Bei einem Sendemasten knickt der Weg nach links zum Gütenbachtor ab (Pappelteichstrecke für Biker). Wir erreichen bald eine Senke, in der wir die durch weiße Markierungssteine gekennzeichnete Trasse der 2. Wiener Hochquellenwasserleitung queren. Bald darauf schwenkt der Weg wieder zur Mauer hin (Station Neptun des Planetenwegs), die nach zwei Holzstegen einen deutlichen Linksknick macht. Dieser Abschnitt auf feuchtem Waldboden ist in Teilen neu angelegt und aufgeschüttet, doch ansonsten fast immer von Mountainbikes zerfurcht, schlammig und nur unter Schwierigkeiten begehbar. Nun geht es ein Stück leicht bergauf; wenn die Mauer etwas zurücktritt, verflacht der Anstieg und wir treten aus dem Dorotheerwald auf eine langgestreckte Wiesenfläche, die wir überqueren.

Beim nächsten Unterstand mit Kontrollstelle gelangen wir wieder zur Mauer, neben der wir die nächsten zehn Minuten entlanggehen, bis wir auf den Parkplatz vor dem Gütenbachtor gelangen. Wir wandern auf der asphaltierten Gütenbachstraße weiter. Nach dem Haus Nr. 624 an der linken Straßenseite dehnt sich eine südhängende Wiese aus, über die wir zum Wald hin aufsteigen. Am Waldrand finden wir einen steinigen Weg, der wieder von weißen Markierungssteinen begleitet wird und in einer Schneise an einem Wasserbehälter der Hochquellenwasserleitung vorbeiläuft. Bald danach dringen wir in einen dichten Eichenhain ein, durch den wir leicht bergan das erste Lokal an der Strecke erreichen: das Gasthaus Schießstätte, in dessen Garten wir eine Rast einlegen können, um uns zu erfrischen (3 ¼ Std.).

An einem Gedenkstein vorbei, der an Dr. Josef Bayer (1882–1931) – einen ehemaligen Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien – erinnert, setzen wir die Wanderung auf einem zunächst markierungslosen Pfad fort. Wenn wir einen breiteren Weg erreichen, gehen wir auf diesem nach links und gelangen so wieder zur Mauer, der wir wieder nach rechts folgen. Nach fast 1 km erreichen wir den Ausgangspunkt des Maurer Planetenwegs (Sonne) und passieren einen Parkplatz am Ende der Wittgensteinstraße und das Wasserreservoir der 2. Hochquellenleitung. Wir wenden uns nach links in die erste Quergasse (Modl-Toman-Gasse) und spazieren auf deren Verlängerung über die stark abfallende Treumanngasse in die Lainzerbachstraße und zum Lainzer Tor.

Abkürzung: Vor dem Lainzer Tor befindet sich die Endstelle der Buslinie 55A. Von hier aus kann man zur Speisinger Straße fahren, wo es einen Anschluss der Straßenbahnlinie 60 in Richtung Hietzing/U-Bahn gibt.

Vom Tor abgewendet kommen wir in die Hermesstraße, die wir aber gleich nach dem Haus Nr. 68 über eine schmale Treppe linker Hand zum Kleinen Ring hin verlassen. Diesem folgen wir nach links und gelangen so zwischen den Häusern der Siedlung Friedensstadt zur Jenbachgasse, in die wir links einbiegen. Nach dem letzten Haus der Gasse gehen wir durch ein Gittertor, durchqueren kurz einen Teil des Hörndlwalds und stoßen am gegenüberliegenden Eingang auf das obere Ende der Josef-Lister-Gasse, die wir gleich wieder nach links verlassen. Anschließend marschieren wir auf einem überwiegend asphaltierten Weg zwischen der Tiergartenmauer und einer Kleingartensiedlung dahin, der uns zum Sankt-Veiter-Tor bringt.

Abkürzung: Wer die Wanderung hier beenden will, geht vom Sankt-Veiter-Tor 100 m zur Wendestelle der Buslinie 54A. Der Bus fährt zur U4-Station Ober-Sankt-Veit.

200 m weiter senkt sich der Weg stark zu einer Maueröffnung und einem davor liegenden Steg. Danach führt ein unscheinbarer Pfad nach rechts, wo wir nach 50 m das Gasthaus Lindwurm erreichen und dort erneut rasten können. Nach diesem Abstecher kehren wir zur Mauer zurück, an der sich unsere Route fortsetzt. Nach weiteren 400 m bietet sich mit der Heurigenschenke „Zur Wildsau“ eine weitere Einkehrmöglichkeit, von deren Garten ein wunderbarer Blick auf Wien möglich ist (4 ¼ Std.).

Unmittelbar nach dem Lokalparkplatz kommen wir an einigen Neubauten vorbei. Nachdem wir einem Linksknick der Mauer gefolgt sind und einen weiteren Steg überquert haben, können wir uns entscheiden, ob wir an der Mauer bleiben oder mehr rechts eine Wiese entlanggehen wollen, um uns einen Rundblick auf die westlichen Bezirksteile Wiens zu gönnen. Danach verläuft der Weg wieder direkt neben der Mauer und am oberen Rand von Kleingartensiedlungen entlang, bis wir zum (geschlossenen) Adolfstor kommen.

Nach dem Tor folgt ein letzter – steiler, aber kurzer – Anstieg auf engen Serpentinen zum innerhalb der Mauer gelegenen Hagenberg (406 m) hin. Nach dem höchsten Punkt gelangen wir bald an den Rand der Himmelhofwiese. Kurz darauf erreichen wir den Mast der Sendeanlage Himmelhof. Von hier aus können wir wieder das herrliche Panorama der Wienerstadt auf uns wirken lassen, ehe wir uns an den Abstieg über die 428 Stufen der Markwardstiege am Ende des Carolawegs wagen. Wir landen in der Himmelhofgasse, bleiben an der Mauer und stehen nach ca. 400 m wieder vor dem Nikolaitor (5 Std.).

Wer direkt zur U-Bahn will, geht nach der Markwardstiege rechts die Erzbischofgasse weiter und benützt den Abgang bzw. weitere Stufen der Lilienberggasse. Nach Querung der Auhofstraße erreichen wir den Hackinger Steg, der zur U-Bahn-Station Hütteldorf führt.

Ein letztes Stück „Urwald“

Ein „Auhof“ – so der frühere Name des heutigen Lainzer Tiergartens – wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt. Schon damals wurden seine Waldungen als Jagdgebiet genützt; auch über die Einrichtung von Schwarz- und Rotwildgehegen wurde berichtet. Seit 1457 ist die Existenz eines „Tier- und Saugartens“ zu Laab im Walde erwiesen. Mitte des 16. Jh.s wurde der Auhof zum kaiserlichen Hofjagdgebiet ernannt und später mit einem Holzzaun eingegrenzt.

Unter Kaiser Josef II. sollte eine Mauer den Zaun ersetzen – unter anderem, um die umliegenden Bauernhöfe vor umherstreifenden Wildtieren zu schützen. Der Bauauftrag wurde öffentlich ausgeschrieben. Das Offert des Maurers Philipp Schlucker (1747–1820) für die extrem lange Mauer (Johann Nestroy nannte sie scherzhaft „das Junge der chinesischen Mauer“) war mit einem Sechstel des von den Stadtbaumeistern veranschlagten Preises so verblüffend günstig, dass man allgemein annahm, der Mann habe sich verkalkuliert. Schlucker wurde vom Kaiser mit der Aufgabe betraut und errichtete von 1782 bis 1787 mit Freunden eine 24 km lange Ziegelmauer. Das Volk glaubte, dass sich der „arme Schlucker“ durch diesen Auftrag an den Bettelstab bringen würde, woraus sich die heute noch übliche Bezeichnung für einen wenig begüterten Menschen ableitet. Trotz aller Unkenrufe führte Schlucker die Arbeit zur Zufriedenheit des Herrschers aus, der den Maurer dafür sogar ein Stück Land schenkte und ihn auf Dauer in seine Dienste nahm.

In den Jahren 1882 bis 1886 erfolgte im Tiergartenareal der Bau der Hermesvilla, eines Schlösschens für Kaiserin Elisabeth, das von Carl Hasenauer entworfen wurde. Heute befindet sich in dem nach 1945 stilgerecht restaurierten Gebäude ein Café-Restaurant (Mo Ruhetag); außerdem werden hier vom Historischen Museum der Stadt Wien (das seit einigen Jahren den bindestrichlosen Namen „Wien Museum“ trägt) regelmäßig Sonderausstellungen veranstaltet.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Naturpark in den Besitz der öffentlichen Hand und wurde 1919 allgemein zugänglich gemacht. 1937 erwarb die Gemeinde Wien den Lainzer Tiergarten und erklärte ihn 1941 zum nun einzigen Naturschutzgebiet der Bundeshauptstadt. Seit 1974 ist der Eintritt in das etwa 25 Quadratkilometer umfassende Areal kostenlos.

Den Besuchern des Geländes stehen 80 km Wanderwege, zahlreiche Kinderspielplätze und Lagerwiesen zur Verfügung. Eine besondere Attraktion für Jung und Alt sind die vielen Tiere, denen der Naturpark seinen Namen verdankt. Einige von ihnen werden in Gehegen gehalten – in der Nähe des Lainzer Tors kann man Damhirsche, Mufflons, Wildpferde und Auerochsen bestaunen –, andere tummeln sich auf freier Wildbahn. Aufmerksame und ruhige Spaziergänger treffen immer wieder auf Hirsche, Rehe und Wildschweine. Letztere sind zwar bei Landwirten als Schädlinge gefürchtet, lockern im Lainzer Tiergarten jedoch durch ihre „Wühlarbeit“ den Boden auf und verbreiten die Samen von Waldpflanzen.

Leider ist der 2500 Hektar große Biosphärenpark Lainzer Tiergarten aber kein Paradies für Tiere. Die Wilddichte ist dank aktiver Anfütterung viel zu hoch, und der Spaziergänger ahnt beim Anblick der vielen Wildgatter und Hochsitze schon, was hier los ist: 1400 der Tiere werden hier jährlich einzeln oder im Rahmen von Treibjagden geschossen. Dass der Park wegen „Winterruhe“ für Pflanzen und Tiere monatelang geschlossen bleibt, ist nicht mehr als ein Vorwand – in dieser Zeit richtet die Wiener Magistratsabteilung 49 ihre jährlichen Großjagden aus, bei der viele Wildtiere zum Teil qualvoll ums Leben kommen.

Die urwüchsige Vegetation des Naturschutzgebiets zeichnet sich durch prächtige, weitgehend naturbelassene Buchen- und Eichenbestände aus. Im Bereich des Johannser Kogels läuft zudem seit den Siebzigerjahren ein Forschungsprojekt, das vorsieht, ein bestimmtes (eingezäuntes) Areal völlig der Natur zu überlassen. In diesem Stück „Urwald“ können die Wissenschaftler Flora und Fauna – abgesehen von allgemeinen Umwelteinflüssen vom Menschen ungestört – beobachten.

Öffnungszeiten des Lainzer Tiergartens: Das gesamte Areal ist von Anfang Februar bis ca. Allerheiligen täglich ab 8 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung (spätestens 21 Uhr von Mai bis August) zugänglich. Die genauen Zeiten sind an den Toreingängen angegeben. Der Zutritt ist über Lainzer Tor, Sankt-Veiter-Tor, Nikolaitor, Pulverstampftor, Laaber Tor und Gütenbachtor möglich.

Der Bereich um die Tiergehege bis zur Hermesvilla – der sogenannte Hermesvilla-Park – ist nur vom Lainzer Tor aus auch während der übrigen Zeit zugänglich. Die Mitnahme von Hunden und Fahrrädern ist im gesamten Tiergartenbereich untersagt.

Genauere Informationen unter www.lainzer-tiergarten.at

Fotos

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