Blue Flower

Ich schreibe über Gerda Buberl und der Text soll nicht traurig sein. Das mag auf den ersten Blick schwierig wirken, weil der Anlass traurig ist, aber in Zeiten wie diesen müssen wir uns darin üben, das Positive auch im Negativsten noch zu erkennen, um uns aufzurichten und gegenseitig Mut zu machen.
Gerda Buberl hatte über lange Phasen ein wirklich schönes Leben. Ich erinnere mich noch gut an strahlende Sommertage, wo ich gemeinsam mit ihr, ihrem Mann Karl und dem Enkel Elias am wunderschönen Gartenteich gesessen bin, Karl die Wasserfälle gestartet hat und das Rauschen des Wassers im Sonnenschein vom schattigen Platz auf der Bank gesehen eine wunderbare Idylle war.

Diese Idylle war natürlich nicht durch die Sonne und das Rauschen des Wassers allein begründet, sondern besonders durch die über 50 Jahre währende Ehe von Gerda und Karl, durch die wunderbare Beziehung zu ihrem Enkelsohn Elias und auch zu ihrem Sohn Karl jun., der oft später dazukam, um zu erzählen, was am Tag so passiert ist.
Damals waren Gerda und Karl schon in Pension und konnten auf ein erfolgreiches Geschäftsleben zurückschauen. Gerda Buberl war in Mauer eine Institution. So war es wenig überraschend, dass ich sie zuerst fragte, als mir Christine Kratochvil den Tipp gab, den Maurer Geschäfts­leuteverein zu gründen. Sie sagte auch sofort zu, im Vorstand mitzumachen und übernahm die verantwortungsvolle Position der Kassierin im Verein. So begann am 20. März 1995 eine Er­folgsge­schichte, die bis heute andauert.
Ich kannte Gerda Buberl schon seit meiner Kindheit. Näher kennenlernen durfte ich sie vor genau 30 Jahren, als sie mir bei der Herausgabe der Zeit­schrift Der Blick in die Vergan­genheit von Mauer half.
Ohne ihre Unterstützung hätte diese Zeitschrift nicht fünf Jahre überleben können und eben durch diese Zeitschrift wurde ein Jahr später die Mauer Zeitung mithilfe von Ger­traud Sykora gegründet und so kam es dann zur Entstehung des Geschäftsleutevereins.
Man sieht: Alles hängt zusammen und überall war Gerda Buberl eine wichtige Kraft. Sie zog die Fäden im Hintergrund, es war ihr nicht wichtig im Vordergund zu stehen, aber sie machte sich sofort bemerkbar, wenn etwas in die falsche Richtung lief, um es wieder auf die richtige Spur zu bringen.
Es war für sie überhaupt kein Problem, den Geschäftsleute­verein mit gleich über 50 Mitgliedern zu administrieren, da sie schon seit Jahren im Vorstand des Gartenbauvereins tätig war, der wesentlich mehr Mitglieder hat und für den sie auch die beliebten Busreisen gemeinsam mit Herfried Schlesinger organisierte, mit dem sie auch im Vorstand des Geschäftsleutevereins eine starke Achse bildete.
Wer meint, zwei Vereine und zwei Geschäfte (eines in Mauer, eines in Lainz) wären genug, der irrt: Am 17.9. 1999 wurde die Zweigstelle der Volkshochschule Liesing im ehemaligen Maurer Rathaus eröffnet und der damalige Direktor der  Volkshochschule und heutige Bezirks­vorsteher Gerald Bischof erkannte sofort das Potenzial der Maurer Heimatrunde, die von Frau Mag. Christl Ayad gegründet wurde. Nach Erscheinen der Kurs­broschüre waren die Vorträge der Heimatrunde innerhalb weniger Stunden ausgebucht und es mussten regelmäßig Wiederholungs­termine angeboten werden.
Es begann eine einmalige Erfolgsgeschichte durch die Zusammenarbeit von Gerda und Karl Buberl mit Mag. Christl Ayad, die die besten Heimatkundeforscher Mauers für das Projekt gewinnen konnten: Karl Abrahamzcik, Friedrich Merstallinger, KR Otto Podingbauer und Josef Buberl. Wahre Höhenflüge erlebte der Verein durch Ing. Heinz Böhm, der seine Bücher für den Verein veröffentlichte. Mag. Christl Ayad sorgte für die Finanzierung des ersten Buches durch das Sammeln von Inseraten und wieder war es Gerda Buberl, die mit ihrem Mann Karl, der schließlich Obmann der Maurer Heimat­runde wurde, für eine solide Vereinsbasis sorgte, auf der die Maurer Heimatrunde heute noch steht. Das damalige Dream­team sorgte für zahlreiche Vorträge, wobei sich die Vorträge von Gerda und Karl Buberl über die Maurer Geschichte besonderer Beliebtheit erfreuten. Die Präsentationen der Bücher von Ing. Heinz Böhm waren einmalige gesellschaftliche Ereignisse in Mauer, die weit über die Grenzen von Mauer hinaus wirkten. So entstand nach dem Vorbild der Maurer Heimatrunde einige Jahre später die "Heimatrunde St. Hubertus".
Gerda Buberl war bis zuletzt im Verein tätig und sorgte gemeinsam mit ihrem Mann auch für den Aufbau einer neuen Hei­matforscher-Generation mit ih­rem Sohn Karl Buberl jun. und dem neuen Obmann DI Wolfgang Mastny.
Die Idylle, die ich am Beginn dieses Artikels beschrieben habe, wurde getrübt, als Gerdas Mann Karl schwer erkrankte und oft nicht mehr die Kraft hatte, zum Teich in den Garten zu gehen, sondern lieber im Zimmer blieb. Enkel Elias machte seine Ausbildung und war dadurch seltener bei den Großeltern, das Leben nahm seinen Lauf.
Das Corona-Jahr 2020 war ein düsteres. Das stets offene Haus der Buberls musste verschlossen bleiben, die geliebten Vorträge konnten nicht gehalten werden, die regelmäßigen Treffen der Heimatrunde waren nicht mehr möglich, Karl starb.
In dem einst so lebendigen Haus wurde es beklemmend still. Gerda las sich aber immer noch die Mauer Zeitung durch, um sie auf Fehler zu korrigieren. Auch als es ihr immer schlechter ging, und es ihr schon spürbar Mühe machte.
Als mich Karl Buberl jun. anrief, um mir mitzuteilen, dass seine Mutter in seinem Beisein friedlich eingeschlafen ist, sagte er zum Schluss. "Und ich habe auch schon jemanden, der die Zeitung durchlesen kann." So sind die Buberls: Verlässlich, noch über den Tod hinaus...

Fotos von Ing. Horst Zecha

Norbert Netsch