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Am 11. Juni ist Karl Buberl gestorben: Parte

Lesen Sie bitte hier einen Nachruf von Norbert Netsch.

Das Begräbnis wird am 26. Juni um 13 Uhr am Maurer Friedhof stattfinden.

Hören sie hier einen Podcast, der von SchülerInnen des RGORG 23, Anton Krieger Gasse, 2004 mit Gerda und Karl Buberl aufgenommen wurde.

Fotos von Karl Buberl, die von Ing. Horst Zecha, Ing. Christian Gold und Ing. Heinz Böhm zur Verfügung gestellt wurden, können Sie hier sehen.

Vor ziemlich genau 29 Jahren durfte ich Karl Buberl näher kennenlernen.  Als Lehrer für Geschichte am RGORG 23, Anton Krieger Gasse, plante ich mit meinen SchülerInnen der 5. Klasse die Herausgabe einer Zeitung über die Geschichte von Mauer, die „Der Blick in die Vergangenheit von Mauer“ heißen sollte. Ich hatte keine Ahnung von der Maurer Geschichte und auch keine einzige alte Ansicht von Mauer. Von Karl Buberl war aber in Mauer bekannt, dass er über ein sagenhaftes Bilderarchiv alter Ansichten von Mauer verfügt und über ein ebenso sagenhaftes Wissen über Mauer.

Da er – wie jeder leidenschaftliche Sammler – auf seine Schätze sehr heikel war, kam ich etwas zaghaft auf ihn zu und war umso überraschter, dass er mir alle seine wertvollen Originale gerne zur Verfügung stellte und mich sogar mit anderen Sammlern in Mauer bekannt machte. Dadurch bekam ich auch von Karl Abrahamczik und Friedrich Merstallinger Bilder zur Verfügung gestellt. Einmal machte er gerade einen Abendspaziergang durch Mauer und sah mich, als ich zur Hälfte in einem Papiercontainer hing und dort herumkramte. Auf seine verwunderte Frage, was ich denn da machen würde, gestand ich ihm, dass ich versehentlich eine alte Ansicht von Mauer weggeworfen hatte. Obwohl ich das Bild nach einiger Zeit tatsächlich aus dem Container herausgekramt hatte, war ich mir sicher, dass er mir nie wieder etwas borgen würde. Das Gegenteil war der Fall, und er machte auch noch Jahre später immer wieder Witze über diese seltsame nächtliche Begegnung beim Papiercontainer.

Oft besuchte ich ihn auch im Geschäft in Mauer. Dort stand ein Sessel für Kunden, die eigentlich nichts kaufen wollten, sondern nur zum Plaudern kamen oder sich auch einfach ausruhen mussten, da sie schon hochbetagt waren und einfach am Weg durch die Geßlgasse eine Pause brauchten. Einmal stand gerade eine ältere Dame auf und ging langsam aus dem Geschäft. Karl sagte mir: „Sie kann nicht den ganzen Weg bis nach Hause durchgehen und ist froh, dass sie bei mir kurz sitzen kann.“

Mein Vater liebte es auch mit Karl zu plaudern und kam vom Einkaufen immer besonders fröhlich zurück, wenn er gerade ein nettes Gespräch mit ihm hatte, von dem er mir dann erzählte. Als er schwer krank wurde und im Spital nur noch vom engsten Familienkreis besucht wurde, kam auch Karl immer wieder zu ihm; sie plauderten nett und es war fast so wie im Geschäft.

Karl Buberl war wie ein Fels in der Brandung. Auf ihn konnte man sich blind verlassen. Das zeigte sich, als seine Frau Gerda schwer erkrankte. Ich bin überzeugt, dass es nicht nur der Kunst der Ärzte zu verdanken ist, dass sie wieder gesund wurde, sondern eben auch Karl. Mit seinem Sohn verstand er sich wie mit einem guten Freund und wenn er von seinem Enkel sprach, leuchteten seine Augen immer voller Stolz. Mit seinem Bruder, dem genialen Schlossermeister Josef Buberl, arbeitete er gerne zusammen und begleitete ihn, wenn er Hilfe brauchte. Er war eine Familienmensch mit einem offenen Herz für Mauer und die Menschen, die etwas von ihm brauchten.

In diesem Rahmen kann man nicht in Worte fassen, was die Buberls für Mauer geleistet haben. Gerda, die im Vorstand des neu gegründeten Geschäftsleutevereins war, im für Mauer so wichtigen Gartenbauverein eine führende Rolle spielte und Karl, der selbstverständlich zum Obmann der Maurer Heimatrunde gewählt wurde und in zahlreichen Vorträgen (mit Gerda gemeinsam) so vielen Menschen Wissen und Freude schenkte. 

Sechs Jahre kämpfte er entschlossen gegen seine heimtückische Krankheit und regelte doch schon seine Nachfolge, weil er auch als Fels in der Brandung wusste, dass er nicht so lange bleiben kann, wie er gerne gewollt hätte.

Norbert Netsch