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Im Dezember gibt es noch zwei Veranstaltungen: 

*  Sa, 14.12., 19:00 Referatabend Walfischg.12: Dr. Thomas Schobesberger, Univ. Wien, "Die Geschichte der Sternentwicklungsmodelle" 

*  Sa, 21.12., 11:30 Sterngarten Georgenberg, Mag. Franz Vrabec: Zur Wintersonnenwende. Tages- und Jahreszeiten, erläutert mit Ekliptikscheibe.

Bei Schönwetter auch Beobachtung des Mittagsdurchgangs der Sonne (Schatten der Lochscheibe am Schrägmast) 

Sonnenbahn und Dämmerung  

Im Dezember verkürzt sich der helle Tag weiter von 8,7 auf 8,4 Stunden. Astronomischer Winterbeginn (Sonnenwende) ist am 22.12. um 5 Uhr.

Der Sonnenaufgang in Wien verschiebt sich von 7:23 auf 7:45 Uhr. Hingegen variiert der Sonnenuntergang nur wenige Minuten (16:03 - 16:00 - 16:10 Uhr), was mit der leicht elliptischen Erdbahn zusammenhängt. Im Westen Österreichs sind die Auf- und Untergänge je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.  

Völlig dunkel ist es bereits gegen 17:45, und die tiefe Nacht währt fast 13 Stunden. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert 37 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 40 Minuten. In der anschließenden astronomischen Dämmerung (Sonne -12 bis -18°) wird der Himmel in Stadtnähe aber kaum mehr dunkler. 

Der Abendhimmel im Dezember 

Wenn es zur Monatsmitte um 17:15 MEZ dunkel genug ist, sieht man im Westen noch das Sommerdreieck Leier-Schwan-Adler in 30-60° Höhe. Im Süden steht das große Quadrat des Pegasus, das Herbstviereck. Es stellt den Rumpf des mythologischen Himmelspferdes dar, das aber seine Flugkünste kopfüber durchführt. Hals und Kopf verlaufen von den zwei tieferen Sternen des Quadrats nach rechts. Unterhalb des Pferdehalses steht der Wassermann, und genau im Meridian in 10° Höhe leuchtet Fomalhaut (α im Südlichen Fisch). Der weiße Riesenstern hat zwei Begleiter, eine Staubscheibe und den 2008 entdeckten Exoplaneten Dagon

Nach links setzt sich der Pegasus in der Fünfsternreihe über die Andromeda bis zum Perseus fort. Darunter, 40° hoch im Osten, steht der kleine Sternenbogen des Widder, darunter der viereckige Kopf von Cetus, dem Meeresungeheuer der Andromeda-Perseus-Sage. Das zugehörige äthiopische Königspaar Cassiopeia und Kepheus finden wir, nun nach Norden gewendet, zwischen Zenit und Polarstern. Tief unter diesem steht der Große Wagen, nun knapp über dem Nordhorizont. In unserer Homepage finden Sie die abendliche Sternkarte hier.  

Um etwa 21 Uhr ist von Osten bis Südosten das große Wintersechseck (auch "Sechseck um Orion") emporgestiegen. Es besteht im Uhrzeigersinn aus den hellen Sternen Capella (60° hoch im Osten), dem roten Stierauge Aldebaran, dem weißen Riesen Rigel (rechter Fuß des Orion), Sirius (Großer Hund, siehe unten), Prokyon (kleiner Hund) und Pollux (Zwillinge). Inmitten des Sechsecks steht der rote Riese BeteigeuzeEr ist etwa 700x größer und 50.000x heller als unsere Sonne und dürfte in den nächsten 50.000 Jahren als Supernova explodieren. Trotz 600 Lichtjahren Entfernung würde er dann einige Wochen heller als der Vollmond sein.  

Die drei Sterne des Oriongürtels gehen senkrecht auf, aber waagrecht unter (12 Stunden später, bzw. abends im Frühjahr). Unter ihm erkennt schon das bloße Auge den Orionnebel, eine 50 Lichtjahre große, turbulente Gaswolke mit gerade entstehenden Sternen. Der Oriongürtel zeigt nach rechts hinauf zum roten Aldebaran und dem Sternhaufen der Hyaden, nach links zum horizontnah funkelnden Sirius, dem scheinbar hellsten Stern des Himmels. Er ist mit 8,6 Lichtjahren der achtnächste Stern. Zwar nur 2x größer als unsere Sonne, hat er aber wegen seiner 11.000° heißen Photosphäre die 22-fache Leuchtkraft. Sein Begleiter, der weiße Zwerg Sirius B, wurde 1844 von Bessel aus periodischen Positionsschwankungen von Sirius entdeckt, konnte aber in dessen gleißendem Licht erst 1862 gesichtet werden. 

Die winterliche Milchstraße ist etwas schwächer als die des Sommers und in Stadtnähe wegen der immer noch zunehmenden Lichtverschmutzung kaum mehr zu sehen. Dafür ist eine Grenzhelligkeit von mindestens 4 mag erforderlich, was z.B. beim Sterngarten im Südwesten Wiens und im Norden von Linz oder Salzburg möglich ist. Sie verläuft vom Schwan (um 21h tief in WNW) über Kepheus, Kassiopeia und Perseus (nun im Zenit) zum Fuhrmann (Hauptstern Capella) hoch im Osten. Zwischen Zwillingen und Orion erreicht sie die größte Breite -- denn unser Sonnensystem liegt ja nahe am Orion-Spiralarm.  

Mit einem Feldstecher kann man auch bei aufgehelltem Himmel der galaktischen Sternenfülle nachgehen und beim Streifzug auch mehrere Sternhaufen bewundern: zwischen Perseus und Kassiopeia den Doppelsternhaufen h/Chi Persei und vor allem im Stier die Plejaden und die Hyaden.  

Sichtbarkeit der großen Planeten

Mondphasen: Erstes Viertel 4.12. (und 3.1.), Vollmond 12.12., Letztes Viertel 19.12., Neumond 26.12. 

Besonders interessante Beobachtungsobjekte im Dezember 

Helle Messier-Objekte:

*  Im Schwan die Offenen Sternhaufen M39 und M29, im Pegasus der Kugelsternhaufen M15, darunter M2 im Wassermann

*  Andromeda/Perseus: Andromedagalaxie M31 -- um 19h fast im Zenit, daher auch in der Stadt; Doppelsternhaufen h/chi Persei; evtl. Dreiecksnebel M33

*  im Osten die Plejaden; ab ca. 20h die offenen Sternhaufen M35 bis M38 (Fuhrmann und Zwillinge), ab 21h der Orionnebel

Konjunktionen: 

*  04.12., 13h: Neptun 4° nördlich des Mondes

*  08.12., 12h: Uranus 5° nördlich des Mondes

*  11.12., 06h: Venus 1,8° südlich von Saturn

*  12.12., ~8h: Mars nur 16' neben dem Doppelstern α Librae (4'). Fernglas, am besten kurz nach 7 Uhr. Zwei Tage vor/nachher ist Mars' Bahn gut zu verfolgen

*  15.12., 17h: Merkur 5° nördlich von Antares (α Scorpii)

*  23.12., 03h: Mars 4° südlich der abnehmenden Mondsichel

*  27.12., 13h: Saturn 1,2° nördlich der extrem zarten Mondsichel (nur teleskopisch)

*  29.12., 03h: Venus 1,0° nördlich der Mondsichel (abends schon ca. 7° entfernt, am Vorabend ca. 6°)

*  31.12., 22h: Neptun 4° nördlich des Mondes 

Helle Kleinplaneten:  

4 Vesta 6.8-7.3 mag im Walfisch, 5 Astraea 9 mag im Krebs, 9 Metis 9.4-10 mag in Fischen, 15 Eunomia 9.8 mag im Wassermann, 97 Klotho 9.9 mag im Eridanus (optimale Opposition),511 Davida ~9.5 mag in Krebs/Zwilling, nähere Daten siehe Minor Planet Center  

Sehr enge Begegnungen mit Sternen

*  06.12. um 21:00 Klotho 6' nördlich von Hip.21718 (6.1 mag)

*  19.12. um 22:40 Astraea 7' südl. 29 Cnc (5.9 mag)

*  20.12. um 01:35 Athamantis (10.9 mag) ca. 10" bei oder zwischen dem Doppelstern Hip.42172 (6.0 / 7.2 mag, D=10")

*  25.12. um 18:00 Eunomia 8' nördl. Hip.110091  (6.4 mag)

*  29.12. um 19:55 Vibilia (11.0 mag) ca. 10" bei 39 Gem (6.1 mag) 

Meteorströme:

*  Geminiden 4. bis 17.12., Maximum morgens 14.10., stärker als Perseiden, mit 35 km/s eher langsam. Leider Mond nahe Radiant --> größeren Beob.Abstand halten!

*  Ursiden 17.-26.12., Maximum 23.12., Komet 8P/Tuttle. Üblich ca. 10 Meteore pro Stunde, heuer 20-30 möglich.

*  siehe auch Meteor-Kalender 2019 

Für Anfänger in der Astronomie

Besuchenswerte Sternwarten und Astrovereine in Wien & NÖ 

Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php  (veranstaltet auch Perseiden-Nächte in Großmugl)

Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium

WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at

Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe-sternwarte.at/ 

Astr. Arbeitskreis Amstetten: http://www.amstetten.noe.gv.at/Arbeitskreise.335.0.html

Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at

Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at

Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at

Waldviertler Astr. Gesellschaft: http://www.sternwarte-hoehenberg.at

Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at

Naturhistorisches Museum, Meteor-Radar im Saal 5: http://www.nhm-wien.ac.at/forschung/mineralogie_petrographie/meteor  

Auf rege Inanspruchnahme der Angebote und auf interessante Kontakte freut sich

Dr. Gottfried Gerstbach 

(Vorsitzender des ÖAV)