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Am 19.9.19 findet im Hietzinger Bezirksmuseum (13., Am Platz) um 19.19 (!) Uhr ein Vortragsabend zum Thema „100 Jahre Besiedelung des Lainzer Tiergarten” statt. Gehalten wird dieser Informationsabend von der „Heimatrunde St. Hubertus“.

Der Lainzer Tiergarten erstreckte sich bis 1912 in östlicher Richtung bis zur heutigen Speisinger Straße. 1912 kam es zur ersten Versetzung der Mauer nach Westen zur heutigen Aschergasse. Weite Teile Wald wurden gerodet und die freien Flächen zur Besiedlung freigegeben. 1935 wurde die heutige Begrenzungsmauer mit dem Lainzer Tor errichtet. In dem freigewordenen Bereich, von der Speisinger Straße bis zur heutigen Tiergartenmauer, waren 12 Wohn- und Siedlergenossenschaften tätig.

Die lokale Historikergruppe Heimatrunde St. Hubertus ist dabei, das Gebiet geschichtlich aufzuarbeiten und zu dokumentieren. 1919 begannen die ersten Besiedlungen im ehemaligen Teil des Lainzer Tiergartens, somit vor 100 Jahren. In Abstimmung mit der Bezirksvertretung Hietzing wird die Heimatrunde St. Hubertus im Bezirksmuseum im Herbst 2019 das Jubiläum mit einer dreimonatigen Ausstellung begehen. Schwerpunkt der Ausstellung sind u. a. 14 bebilderte Informationstafeln zur Entwicklung von einst bis heute. Davor, am 19.9.19, wird mit einem Informationsabend im Festsaal des Bezirksmuseums die Ausstellung eröffnet.

Ausschlaggebend für die Besiedelung dieses Teils des Lainzer Tiergartens war der „Erste Weltkrieg“: Die triste Situation - die Hyperinflation und das Fehlen von Grundnahrungsmitteln - veranlasste einige Bürger zum Handeln. Es kommt zu wilden Rodungen und Anlegen von Gartenparzellen am Rand des Lainzer Tiergartens. Die Besiedlungen gehen in drei Wellen vor sich:

1) 1918 Ende des Ersten Weltkrieges

Bei der Auflösung der Heeresverbände kommt es zu chaotischen Zuständen. Es musste Arbeit und Wohnmöglichkeit gefunden werden. Die Heimkehrer prallten nach ihrer Rückkehr auf unzureichende Nahversorgung der Wiener Bevölkerung, die im Hungerwinter 1916/17 ebenfalls arg an den Folgen des Krieges litten. Es gibt kaum staatliche Hilfe. Selbsthilfe ist gefragt, ein Kleingarten dient zum Überleben. Am Stadtrand, im Umfeld einer schon baufälligen Tiergartenmauer, geht es im Jahr 1919 los. Basis von Siedlungen entstehen, die später legalisiert werden: - Siedlung Auhofer Trennstück (SAT) - Siedlung Friedensstadt - Siedlung Hermeswiese 1 (außerhalb des Lainzer Tiergartens) - Siedlung Hermeswiese 2 (außerhalb des Lainzer Tiergartens) - Siedlung Hermeswiese 3 (außerhalb des Lainzer Tiergartens) - Siedlung Leitenwald - Siedlung Friedenshöhe

2) 1930 Weltwirtschaftskrise

Der Börsenkrach 1929 in New York löst eine weltweite Wirtschaftskrise aus. Als Folge muss im Mai 1931 auch die Österreichische Credit Anstalt (CA) einen Zusammenbruch erleben. Die CA gilt damals als eine der größten Banken Europas. Österreich muss beim Völkerbund eine Anleihe aufnehmen, um die Tätigkeiten der Bank zu stützen. Zur Rückzahlung der Anleihe werden vom Völkerbund drastische wirtschaftliche Auflagen erteilt. Sozialleistungen werden abgebaut, Not und Hunger ziehen in weite Schichten der Bevölkerung ein. So werden immer mehr Siedlervereine gegründet und wieder müssen Kleingärten für die Grundnahrung sorgen: - Sicherheitswache (Polizei) 100 Jahre Besiedelung des Lainzer Tiergarten (Fts. von S. 1) - Zollwache - Heimscholle - Heimat - Siedlung am Hang

3) 1945 Ende des Zweiten Weltkrieges

Der Zustand der Nahrungsmittelversorgung ist vergleichbar an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Provisorisch werden noch in der Kriegszeit Schrebergärten entlang des unverbauten Gebietes am Lainzer Bach angelegt und weiter bewirtschaftet. Ende der 1950-Jahre werden die Schrebergärten aufgegeben und das Gelände kann besiedelt werden: - Kongresssiedlung - KGA am Lainzer Bach - KGA am Hermestor Lange Zeit bewohnten Kriegsbeschädigte, Arbeiter, kleine Beamte und Gewerbetreibende die Kleingärten. Heute ist dort, wo es Eigentum gibt, der gehobene Mittelstand zu Hause. Der beschriebene Teil von Hietzing, mit mehr als 4.000 Bewohnern, gehört nicht zu Speising oder Lainz. Obwohl flächenmäßig größer als andere Bezirksteile hat die Verwaltung für diesen Bezirksteil auch nach 100 Jahren noch keinen Namen gefunden, Katastralgemeinde ist Auhof.

Die Heimatrunde St. Hubertus verwendet seit langer Zeit als Begriff und Arbeitsnamen für den Bezirksteil die Bezeichnung Grätzel St. Hubertus.

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