Blue Flower

Unser Wanderexperte, Herr Alexander Streiter, hat wieder eine sehr schöne und auch interessante Tour zusammengestellt: PLAN

Wir fahren mit der U-Bahn-Linie U4 bis zur Station Schönbrunn und erreichen über den Aufgang die Grünbergstraße, der wir nach rechts folgen bis wir die Schönbrunner Schloßstraße an der Fußgängerampel überqueren. Wir behalten unsere Gehrichtung bei und wandern am Apothekertrakt des Schönbrunner Schloßensembles vorbei zum Meidlinger Tor, durch das wir den Bereich des Tagungszentrums Schönbrunn betreten.

Für eine Einkehr zu Beginn bietet sich hier das Restaurant Schönbrunner Stöckl an, das für seine k. u. k. Spezialitäten bekannt ist. Das Schloß Schönbrunn wurde für den nachmaligen Kaiser Joseph I. nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach 1695–1700 erbaut und unter Kaiserin Maria Theresia 1743–1749 nach Plänen von Nikolaus Pacassi zu einem Residenzschloß umgestaltet. Schon 1779 wurde der  Schloßpark der Bevölkerung zugänglich gemacht und er nimmt auch weiterhin die Stellung eines wichtigen Naherholungsgebietes ein. Wir wenden uns nach links und treten durch die Torgitteranlage des „Reichen Tores“. Hier wird uns die große Kunstfertigkeit hochbarocker Schmiedeeisenarbeit vor Augen geführt. Wir betreten damit das Areal des Schönbrunner Schloßparks und spazieren entlang der Schlosserallee geradeaus weiter bis wir den Obeliskbrunnen erreichen, eine beeindruckende, symbolhafte Anlage, die 1777 errichtet wurde. Wenn wir uns umwenden sehen wir, durch die Sicht- und Wegachse der Obeliskallee blickend, das große Meidlinger Najadenbassin (eine Najade ist eine Wassernymphe, eine Personifikation des Naturreichs) und den Haupttrakt des Schlosses. Wir gehen links durch die gärtnerisch bestens gepflegte Anlage in der Rustenallee weiter, passieren linker Hand die Quellenkammer Schöner Brunnen (renoviert 1969) und biegen bald darauf rechts in das Boskett (Lustwäldchen) mit dem Engelsbrunnen, den eine Replik einer beachtenswerten Renaissance-Brunnenschale ziert, die nach 1770 aus Schloß Neugebäude hierher verbracht wurde, ein. Im Heckensaal nebenan befindet sich  das Brunnenhaus des Schönen Brunnens (Kaiserbrunnen), das 1771 errichtet wurde und eine liebreizende Quellnymphe (Egeria) beherbergt. Der Legende nach entdeckte Kaiser Matthias 1612 auf der Jagd diese Quelle, die der Schloßanlage ihren Namen geben sollte. Wir verlassen das Brunnenhaus nach rechts und halten, durch die Ruinenallee schreitend, auf das 1778 fertiggestellte romantische Ruinenbauwerk „Römische Ruine“ („Ruine von Karthago“) zu, dessen mächtiges Ensemble den Überresten eines antiken Tempels nachempfunden ist. Wir setzen unsere Wanderung rechts in der Rustenallee fort, bis wir rechter Hand und rechts neben einem Zugangsweg zur Taubenhausanlage einer prachtvollen doppelstämmigen Stiel-Eiche (Quercus robur) gewahr werden, die um 1750 gepflanzt wurde und deren Umfang etwa 7,30 m beträgt. Auf dem erwähnten Zugangsweg spazieren wir in das Boskett der Taubenhausanlage hinein, dessen Mittelpunkt das Taubenhaus, das um 1760 geschaffen wurde, bildet. Der anmutige, große Vogelkäfig beherbergt auch heute noch etliche Tauben. Wir machen uns auf den Weg zurück zur großen Stiel-Eiche, gehen dort rechts weiter bis wir links den Neptunbrunnen erblicken, auf den wir zuhalten. Der symbolträchtige Neptunbrunnen wurde 1780 vollendet. Im Mittelpunkt der Figurengruppe befindet sich Neptun, der als Meeresgott den erdbebenauslösenden Dreizack in der Hand hält. Unmittelbar hinter der Neptungruppe können wir unseren Blick über das Gr0ße Blumenparterre (ein Grundbestandteil aller barocken Gartenanlagen) schweifen lassen und Schloß Schönbrunn betrachten. Über einen der beiden Serpentinenwege gehen wir den Schönbrunner Berg hoch zur Gloriette, einem 1775 errichteten frühklassizistischen Arkadenbau, der die Krönung des Schönbrunner Schloßparks bildet. Das Flachdach dient als Aussichtsplattform und kann gegen ein Entgelt von 3,80 Euro über die linke Freitreppe betreten werden. Ein einzigartiger 360-Grad-Panoramablick beschert uns eine instruktive Rundsicht auf Leopoldsberg, Kahlenberg, Schloß Wilhelminenberg, Jubiläumswarte, Otto-Wagner-Kirche (Kirche am Steinhof), Erholungsgebiet Steinhof, Satzberg, Lainzer Tiergarten, Bierhäuselberg, Naturpark Föhrenberge, Hochanninger, Wohnpark Alterlaa, Wienerberg, Wasserturm Favoriten und Karlskirche. Im verglasten Mitteltrakt des Gebäudes befindet sich das Café Gloriette, welches uns zur verdienten Rast einlädt. Die Treppenabsätze, sowohl der linken als auch der rechten seitlichen Freitreppe sind von je zwei Trophäengruppen (Arrangements aus antikisierenden Helmen, Rüstungen, Schilden, Feldzeichen, Waffen, Kränzen) gesäumt. Über dem Mitteltrakt balanciert ein Reichsadler mit Lorbeerkranz auf einer Weltkugel. Zu seiner Rechten und Linken sind Waffentrophäengruppen aufgerichtet. Diese kriegerischen Elemente des Bauwerkes sollten an den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) gemahnen. Wir halten uns rechts und lustwandeln durch die verlängerte Glorietteallee bis wir linker Hand das Gehege der sanftmütigen Emus (große, flugunfähige australische Laufvögel) erreichen. Wenn wir hier an der Wegkreuzung links einbiegen können wir einen Abstecher zum „Hietzinger Prominentenfriedhof“ unternehmen. Zu diesem Behufe folgen wir dem Weg, kommen rechter Hand am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) vorbei und erreichen kurz darauf das Meiereitor (Tirolertor) der Schönbrunner Schloßanlage. Wenn wir uns hier weiterhin links halten gehen wir, nun außerhalb des Schloßparks, linker Hand an der ehemaligen Kammermeierei (Molkerei) der Kaiserin Elisabeth vorbei und erreichen im Zuge des Seckendorff-Gudent-Weges das Eingangstor Nr. 4 des Hietzinger Friedhofs, auf dem eine lange Reihe illustrer und auch schillernder Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Es sei an dieser Stelle eine Auswahl gebracht:

Gruppe 5, Nr. 120: Anton  Hanak (1875–1934), Bildhauer  des  Monumentalen.        Nr. 194: Gustav Klimt (1862–1918), bedeutender Maler und Graphiker. Gruppe 12, Nr. 71: Viktor Léon (eigentlich Hirschfeld, 1860–1943), Schriftsteller, Dramaturg und Librettist. Gruppe 13, Nr. 107: Franz Grillparzer (1791–1872), klassischer Dichter und Dramatiker. Nr. 131: Otto Wagner (1841–1918), bedeutender Jugendstil-Architekt. Gruppe 16, Nr. 14D: Kolo (Kolomann) Moser (1868–1918), Maler, Graphiker, Kunstgewerbler. Nr. 35E: Heinz Conrads (1913–1986), Schauspieler, Conférencier, Wienerlied-Interpret. Gruppe 17, Nr. 18A: Robert Hochner (1945–2001), Nachrichtenjournalist und Fernsehmoderator. Gruppe 19, Nr. 26: Carl Auer Freiherr von  Welsbach (1858–1929), Chemiker, Erfinder des Gasglühlichts (1891) und der elektrischen Osram-Metallfaden-Glühlampe. Nr. 108: Katharina Schratt (1853–1940), Hofburgschauspielerin, „liebe, gute Freundin“ Kaiser Franz Josephs. Gruppe 22, Nr. 17: Anna Nahowski (1860–1931), langjährige Geliebte Kaiser Franz Josephs. Gruppe 27, Nr. 11: Engelbert Dollfuß (1892–1934), 1932–1934 tragischer Bundeskanzler. Gruppe 30, Nr. 23: Alexander Lernet-Holenia (1897–1976), Erzähler, Lyriker, Essayist. Gruppe 37, R1/1: Feldmarschall Franz Graf Conrad von Hötzendorf (1852–1925), Militärtaktiker und Reformer der k. u. k. Armee, Chef des Generalstabes von 1906–1911 und von 1912–1917. Gruppe 44, Nr. 49A: Ingrid Leodolter (1919–1986), Gesundheitsministerin von 1971–1979. Gruppe 49, Nr. 24F: Alban Berg (1885–1935), als Komponist Vertreter der Zwölftonmusik. Gruppe 60, R7/18: Gottfried von Einem (1918–1996), bedeutender Komponist. Gruppe 63, R3/7: Gerhard Hanappi (1929–1980), Fußballspieler und Architekt des Weststadions. Gruppe 66, R19/5: Major Karl Biedermann (1890–1945), 1934 Heimwehrkommandant, später Kommandeur des Wehrmachtsstreifendienstes Groß-Wien im Wehrkreis XVII, zuletzt Widerstandskämpfer.

Ein Spaziergang über den Friedhof erweist sich als Gang durch die österreichische Geschichte. Ein instruktiver Lageplan des Friedhofs ist in der Friedhofsverwaltung (Tor Nr. 2, Maxingstraße 15) zur freien Entnahme aufgelegt. Wir kehren zur Wegkreuzung beim Emu-Gehege zurück und wenden uns nach links – wenn wir auf den Abstecher zum Friedhof verzichtet haben gehen wir geradeaus weiter – um gleich darauf das rustikale Gasthaus Tirolergarten zu erreichen, wo wir uns mit Tiroler Leckerbissen und Grillspezialitäten stärken können. Hier befindet sich auch ein Eingang zum beliebten Tiergarten, dem wir einen Besuch abstatten können. Wir bleiben unserer Gehrichtung treu, wandern linker Hand am ehemaligen Spielhaus des Kronprinzen Rudolf vorbei und schlendern hinunter zum Botanischen Garten, der in den Jahren 1828–1848 als englischer Landschaftsgarten angelegt wurde und viele seltene Gehölze beherbergt, die beschriftet und somit kenntlich gemacht sind. Wir durchmessen den Landschaftsgarten und gelangen zum Denkmal für Kaiser Franz I. Stephan, den vielgeliebten Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, welches sich vis-à-vis vom überaus schönen und eleganten Palmenhaus befindet. Das große Gewächshaus aus Eisen und Stahl, eine Architekturleistung des Späthistorismus, wurde 1882 von Kaiser Franz Joseph eröffnet, ist 113 m lang, an seiner höchsten Stelle 28 m hoch und verfügt in seinem Inneren über drei unterschiedliche Klimazonen. Wir können sowohl das Palmenhaus als auch das nahe gelegene Sonnenuhrhaus, das als Wüstenhaus Pflanzen und Tiere dreier Trockenlebensräume zeigt, besichtigen. Wir umrunden das Palmenhaus und gelangen zum südlich des Palmenhauses gelegenen, schmucken Japanischen Garten, der eine gärtnerische fernöstliche Kostbarkeit darstellt. Wir gehen links weiter und erreichen die Rustenallee. Wenn wir nach rechts blicken sehen wir den achteckigen Kaiserpavillon, ein Lieblingsort des Kaiserpaares Maria Theresia und Franz I. Stephan, der sich im Bereich des Tiergartengeländes befindet. Geradeaus geht es weiter und alsbald verlassen wird die Rustenallee nach links um das Boskett des Sequoiensterns (Sequoia = Mammutbaum) zu betreten, dem eine Gruppe von drei Mammutbäumen seinen unverwechselbaren Charme verleiht. Wir treten auf die Hietzinger Glorietteallee hinaus und halten uns rechts bis wir wieder die Rustenallee erreichen. Wenn wir einen Blick nach links werfen sehen wir das Hietzinger Najadenbassin und können die Schloßfassade ausmachen. In der Rustenallee schreiten wir geradeaus weiter, bis wir linker Hand der Statue der Jagdgöttin Diana gewahr werden, die den Eckpunkt eines 1770 entstandenen, siebenheckigen, als Fächer bezeichneten, Bosketts bildet. Wir durchqueren das Boskett und halten auf die gegenüberliegende Statue des Sonnengottes Apoll zu, die sich im Boskett „Beim Schützen“ befindet. Kurz vor Erreichen der Statue schwenken wir links in einen Weg ein, der uns, parallel zur Tiergartenallee, ins sechseckige Baumboskett des lieblichen Maroniwäldchens führt. Wir verlassen die Maronibäume und spazieren rechts ins Rosarium hinein. Der Rosengarten, der sich in einem großen ovalen Gartenraum befindet, wurde 1914 angelegt. Hier blühen 5.880 Rosenstöcke in 100 Sorten. Wir halten Ausschau nach dem großen Hietzinger Najadenbassin, bewegen uns auf dieses zu und wandern solange geradeaus weiter, bis wir das Große Parterre erreichen. Wenn wir uns hier rechts halten können wir dem Irrgarten, der unter Würdigung des historischen Vorbildes neu angelegt und 1999 wiedereröffnet wurde, einen Besuch abstatten. Ansonsten wenden wir uns nach links und biegen unmittelbar vor dem letzten Rabattenpaar (die Rabatte = Beet mit Zierpflanzen) des Großen Parterres links ab, um alsbald, im Kreuzungsbereich von Tiergartenallee und Finsterer Allee, rechts in das allerliebste Boskett „Beim Fischbassin“ hineinzugehen. Unsere Gehrichtung beibehaltend verlassen wir das entzückende Fischbassin. Wir queren die Lichte Allee und spazieren geradewegs in den Hietzinger Kammergarten hinein, der unmittelbar an die Westseite des Schlosses anschließt. Die Kammergärten waren bis zum Ende der Habsburgermonarchie im November 1918 die einzigen Privatgärten der kaiserlichen Familie auf dem gestalteten Gelände des Schönbrunner Gartens und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Unser Weg führt uns linker Hand durch die Parterrefelder des Hietzinger Kammergartens, anschließend wandern wir, die eingeschlagene Gehrichtung beibehaltend, durch den großen Kastaniensaal, wo uns ein Wasserbassin auffällt, sodann geht es durch den ovalen und hierauf durch den runden Kastaniensaal. Sobald wir beim Reitschulgarten, der keine barocken Gestaltungselemente aufweist angelangt sind, verlassen wir die Gartenanlagen nach rechts und treten durch ein kleines Tor auf die Hietzinger Fahrstraße hinaus. Wir gehen die Straße rechts entlang bis wir nach etwa 68 m linker Hand das Naturdenkmal Nr. 110, einen chinesischen Ginkobaum (Ginko biloba), bemerken. Wir erfreuen uns an dem über 237 Jahre alten Baum und kehren zum Reitschulgarten, einem ehemaligen Reitplatz, zurück. Wir durchqueren den anmutigen Reitschulgarten unserer vorherigen Gehrichtung gemäß und treten auf die Kastanienallee hinaus. Vis-à-vis befindet sich die Dreieckwiese. Wir gehen aber links weiter, überqueren die Lichte Allee und spazieren in die rechts gelegene Postwiese hinein, die wir wiederum unserer vorherigen Gehrichtung gemäß durchschreiten um sie, dort, wo sie endet, nach links zu verlassen. So gelangen wir in die Finstere Allee, die wir nach rechts weitergehen um gleich darauf die Parkanlage durch das Hietzinger Tor zu verlassen. Wir halten uns nun links, gehen an der Hietzinger Kirche, am Bronzestandbild für Kaiser Maximilian von Mexiko und an den zwei prachtvollen Platanen vorbei, biegen links in die Maxingstraße ein und gehen vor bis zur Hausnummer Maxingstraße 7, wo wir, zur abschließenden Einkehr, im Maxingstüberl, ehemals Stammlokal von Johann Strauß, Egon Schiele und Gustav Klimt und nach wie vor Künstlertreff, den Spezialitäten des Hauses zusprechen können bevor wir uns zur nahe gelegenen Station Hietzing der U-Bahn-Linie U4 begeben um unsere Heimreise anzutreten.

Nachtrag: Unweit der U-Bahn-Station Hietzing, befindet sich der ehemalige „Pavillon des k. u. k. Allerhöchsten Hofes“ (Otto-Wagner-Hofpavillon Hietzing) der ehemaligen Wiener Stadtbahn, der dem Kaiser und seinem Gefolge als Ein- und Ausstiegsstelle diente. Das 1899 fertiggestellte Stationsgebäude ist eine Architektenleistung Otto Wagners und stellt ein Juwel des Wiener Jugendstils dar. Der Hofpavillon ist heute eine Außenstelle des Wien Museums und kann an Wochenenden besichtigt werden. Ein Aufzug vom Bahnsteig in Fahrtrichtung Heiligenstadt führt direkt zu dem an der stark befahrenen Schönbrunner Schloßstraße gelegenen Zugangsweg.       

Gehzeit: etwa 4 Stunden – für die Besichtigung des Friedhofes sind gut und gerne 2 Stunden zusätzlich zu veranschlagen