Blue Flower

Lesen Sie hier über eine Wanderung aus dem neuen Wanderführer von Peter Hiess und Helmuth A.W. Singer: 

Wandern im Wienerwald. Die 30 schönsten Wanderungen in und um Wien.

Weitere Informationen und schöne Fotos finden Sie auch auf der Website der Autoren!

Am Stadtrand von Wien

Von Liesing nach Laab

Rodaun, einer der südlichsten Bezirksteile Wiens, ist der Ausgangspunkt für diese Wanderung, die sowohl durch verbautes Gebiet als auch in ruhige Wälder und Hügellandschaften führt, wo von der Nähe zur hektischen Großstadt nichts mehr zu bemerken ist.

 

 WEGVERLAUF: Rundwanderung. Rodaun – Wiener Hütte (1 Std.) – Breitenfurt (30 Min.) – Laab im Walde (45 Min.) – Schießstätte (1 ¼ Std.) – Rodaun (1 ¼ Std.)

 DAUER: 4 ¾ Std.

 LÄNGE: 18,5 km

 SCHWIERIGKEITSGRAD: Nur geringe Höhenunterschiede, daher trotz der Länge bequem zu begehen

 WEGMARKIERUNGEN: Braune Tafeln mit „Stadtwanderweg 6“, blaue Balken, Rot-Weiß-Rot mit „444“, Rot mit „44“, braune Tafeln mit „Rund um den Lainzer Tiergarten“, unmarkiert

 EINKEHRMÖGLICHKEITEN: Wiener Hütte, Odysseus im Grünen Baum (kein Ruhetag), Pension Laaberhof (Mo und Di Ruhetag; Gästezimmer), Gasthaus zur Schießstätte (Mi und Do Ruhetag; Dez. bis Feb. nur an Wochenenden geöffnet), Buschenschenken in Kalksburg und Rodaun

 ANFAHRT: • Mit der Straßenbahnlinie 60 von der U4-Station Hietzing-Kennedybrücke bis zur Endstelle in Rodaun/Ketzergasse

  • Mit dem Auto über Liesing oder Mauer in die Breitenfurter Straße, von dieser in unmittelbarer Nähe der überführenden Straßenbahntrasse in die Kaiser-Franz-Josef-Straße abbiegen. Den Straßenbahnschienen folgen und in der Ketzergasse oder den Seitengassen parken.

DER WANDERWEG

 Vor der Endstation in Rodaun, einem Teil des Bezirks Liesing, biegt die Straßenbahn beim Haus Ketzergasse 356 in die Schillerpromenade ein, wo sie an ihrer Endstation hält. In der Ketzergasse (übrigens die längste Gasse Wiens) gehen wir weiter stadtauswärts und sehen vor uns auf einer Anhöhe die Bergkirche von Rodaun, auf die wir zuhalten. Nach der Kreuzung mit der Hochstraße biegen wir in die zweite Gasse links – die Willergasse – ab und wandern hier kurz bergauf (Holzpfeil „Stadtwanderweg 6“). Nach wenigen Schritten stehen wir vor dem Aufgang zum Kirchenplatz, der von barocken Steinfiguren der Heiligen Florian und Josef flankiert wird. Hier biegen wir rechts ein und erreichen sehr bald die Johannes dem Täufer geweihte Barockkirche, die in den Jahren 1738 bis 1746 – vermutlich von einem Schüler Fischer von Erlachs oder von Donato Felice d’Allio (1677–1761) – erbaut wurde.

Vom Kirchenportal abgewandt verlassen wir das Plateau, wie ein Holzpfeil angibt, geradeaus in Richtung „Wiener Hütte“. Nun gehen wir an der Nordflanke des Zugbergs auf einem breiten Weg unter Föhren und Buchen ziemlich eben dahin. Zur Rechten können wir zwischen den Bäumen einen Sportplatz erkennen. Ab hier orientieren wir uns an einer parallel zum Weg laufenden Steinmauer, die den Komplex des Jesuitenkollegiums Kalksburg, einer bedeutenden Privatschule, umgibt. Neben den Holzpfeilen „Stadtwanderweg 6“ taucht nun auch eine blaue Markierung auf, die uns bis zur Wiener Hütte begleitet.

Die Mauer des Kollegiums begleitet eine Zeit lang unseren Weg, knickt aber dann nach rechts weg. Ab dieser Stelle wandern wir ca. 2 km lang leicht bergauf die Stadtgrenze zu Niederösterreich entlang. Wenn wir an den Waldrand treten, erkennen wir schon die Zufahrtsstraße und einen großen Parkplatz bei der neu renovierten und noch nicht eröffneten Wiener Hütte, die wir schließlich erreichen. Jenseits des Taleinschnitts von Kaltenleutgeben erheben sich die Hügel des Höllensteinzugs, dessen teilweise schroffe Nordhänge an einigen Stellen als Kletterwände genützt werden (1 Std.).

Von der Wiener Hütte aus folgen wir einem Weg, der mit „444“, „04“ und einem Schild Richtung „Breitenfurt“ bezeichnet ist. Die roten Marken bringen uns auf einem talwärts führenden Waldweg zu einem Wasserbehälter, nach dem der „Stadtwanderweg 6“ rechts abzweigt. Wir bleiben jedoch auf Rot, halten uns bei Abzweigungen links und verlassen bald bei einer rot-weißen Schranke den Wald, um in die Birkengasse der Siedlung Pölleritzerwiese, die zur Gemeinde Breitenfurt gehört, zu gelangen.

Auf der asphaltierten Birkengasse durchwandern wir das Siedlungsgebiet etwa niveaugleich. Nach der Volksschule von Breitenfurt biegen wir in die Wilhelm-Tell-Gasse ein, die wir gleich wieder nach rechts durch die Kellerwaldgasse verlassen. An deren Ende biegen wir links in die Liesingtalstraße ein, die nach 50 m in die Hirschentanzstraße mündet. Hier halten wir uns rechts, gehen am Eingang einer Sportanlage vorbei und erreichen nach wenigen Schritten den ehemaligen Gasthof „Grüner Baum“, eine alte Gaststätte der Herrschaft Rodaun, deren Geschichte sich bis in die Zeit vor 1676 zurückverfolgen lässt. Heute befindet sich darin das griechische Restaurant Odysseus im Grünen Baum, das täglich ab 11.30 Uhr geöffnet hat (1 ½ Std.).

Abkürzung: An der Hauptstraße nahe dem Lokal befindet sich eine Bushaltestelle, von der aus eine Verbindung zum Bahnhof Liesing besteht.

Nach einem eventuellen Lokalbesuch überqueren wir die Reiche Liesing und – auf einem Zebrastreifen – die Hauptstraße. Danach setzen wir unsere Wanderung neben einer Spenglerei und unter Beibehaltung der Richtung fort. Der asphaltierte Bereich endet bei einer Schranke; wir marschieren auf Rot (RWW 444) über eine Wiesenfläche weiter, die an ihrem höchsten Punkt einen schönen Rundblick bietet. Dann queren wir die Königsbühelstraße der Siedlung Eigenheim und folgen dem RWW 444 durch den Römerweg – auch nach einem kurzen Links-rechts-Knick bei der Hundskehle.

Nach dem Haus Römerweg 13 (Bildungswerkstätte) betreten wir neben einem Bio-Bauernhof mit Hofladen wiederum ein Waldstück und gehen zuerst ein Stück steil neben einem Drahtzaun bergauf. Danach biegen wir in diesem Laubwaldabschnitt links ab und wandern neben dem stark zerfurchten Hauptweg den roten Marken und dem Wegweiser „04“ folgend ca. 400 m bergan – bis zu einer breiten Forststraße, die nach rechts weiterzugehen ist. In einer Linkskurve verlassen wir die eben dahinführende Forststraße und damit den sanften Hügel des Hundskehlbergs auf einem schmalen, rot markierten Pfad nach rechts (Achtung: Markierung durch Holzstoß verdeckt). Wir gehen hier stetig bergab, überqueren ein Bächlein und treten nur wenige Minuten später aus dem Buchenwald an den Wiesenrain in der Nähe des Klosters St. Josef. Dort gönnen uns einen Rundblick auf das Laaber Tal, dessen Hauptort Laab im Walde uns zu Füßen liegt. Auf der breiten, asphaltierten Klostergasse spazieren wir talwärts auf den Ortskern zu. Nach einem Friedhof überqueren wir bei zwei Birken die Hoffeldstraße.

Abkürzung: An dieser Stelle kann man bei der Station „Friedhof“ einen Autobus besteigen, der zum Bahnhof Liesing fährt.

Wir gehen durch die Hauptstraße weiter, um nach 300 m die Pension Laaberhof zu erreichen, wo uns eine Einkehrmöglichkeit offensteht. (2 ¼ Std.).

Hinter der Pension beginnt die Mauerwaldgasse, in der wir nach dem verbauten Abschnitt auf die Forststraße Mauerwald treffen, der wir folgen und so einen Teil der Route rund um den Lainzer Tiergarten (Sternwanderweg 44) auf Rot beschreiten. Sobald wir die Mauer das erste Mal erblicken, halten wir uns rechts, weiterhin der roten Markierung folgend. Der in Teilen neu angelegte und aufgeschüttete Weg führt durch den Dorotheerwald eine Weile direkt an der Tiergartenmauer entlang (Einstiegspunkt mit Station Neptun des Maurer Planetenwegs), dann über ein kurzes, leider weiterhin von Mountainbikern verwüstetes Steigungsstück durch Laubwald und anschließend – wenn die Mauer etwas zurücktritt – niveaugleich über eine Wiese. Nach einem Steg gelangen wir wieder unmittelbar an die Mauer, gehen rechts weiter und kommen nach 400 m ohne schützende Bäume zum Gütenbachtor – dem südlichsten Eingang in das Naturschutzgebiet.

Über den davor gelegenen Parkplatz betreten wir wieder Wiener Boden und wandern die asphaltierte Gütenbachstraße entlang. Nach dem Haus Nr. 36 zweigen wir links auf einen grasbewachsenen Südhang ab, den wir schräg bergan gehen. Der Wiesenweg bringt uns in den Gemeindewald, durch den die mit weißen Steinen gekennzeichnete Schneise der 2. Wiener Hochquellenwasserleitung zu einem Wasserreservoir führt. 100 m danach dringen wir wieder in dichteren Wald ein und halten uns weiterhin an die rote Markierung sowie zuerst an die Tafeln „Rund um den Lainzer Tiergarten“ und dann bei einer Abzweigung Richtung Gasthaus zur Schießstätte. Wenige Minuten später erreichen wir dieses zwischen den Bäumen des Wilden Bergs (363 m) versteckte Lokal auch schon und können eine weitere Rast einlegen (siehe unten: „Am Wege“; 3 ½ Std.).

Auf der asphaltierten, für Privatfahrzeuge gesperrten Zufahrtsstraße verlassen wir die Gaststätte durch lichten Mischwald und kommen zum Parkplatz am Ende der Maurer Lange Gasse im Weinhauerort Mauer – einem weiteren Teil von Liesing, dem jüngsten Bezirk Wiens. Wir gehen jedoch nicht ins Ortszentrum hinunter, sondern biegen in die erste Seitengasse rechts ein. Am Ende der steilen Georgsgasse sehen wir ein auffälliges Gebäude emporragen: die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Sankt-Georgen-Berg (321 m), die 1974–76 nach einem Entwurf des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba erbaut wurde. Die Fassade setzt sich aus 152 asymmetrischen Betonquadern zusammen, die ein Gesamtgewicht von mehr als 4000 Tonnen ergeben.

Auf dem über einen schmalen Weg erreichbaren Plateau, das in unserer Gehrichtung hinter dem Sakralbau liegt, erwartet uns eine weitere Besonderheit: der Sternengarten, das Freiluftplanetarium des Österreichischen Astronomischen Vereins – eine außerirdisch anmutende Anlage, die unter Einbindung diverser Orientierungssäulen und -skalen seit 1997 der Vermittlung astronomischer Phänomenologie dient. Wir gehen am rechten Ende einer niedrigen Steinmauer vorbei und dann auf der anderen Seite dieser Mauer stadtwärts bis zu einem Schranken an der Kalksburger Straße, in deren Verlängerung wir rechts einbiegen. Nach etwa 200 m in einer beschaulichen Allee biegen wir gegenüber einem Spielplatz schräg links in den Wald ab und halten uns dann weiter links. So kommen wir bald an den Waldrand, wo wir einen herrlichen Südhang mit ausgedehnten Weingärten vor uns haben. Hier wandern wir etwa 100 m links weiter, bis wir den markanten Burgturm von Perchtoldsdorf deutlich erkennen können; nun verlassen wir auf einem sich senkenden Weg zwischen den Rebstöcken hindurch die Anhöhe. So gelangen wir bald auf eine gepflasterte Trasse zwischen den Weinkulturen, der wir nach rechts folgen. Wenn der feste Untergrund endet, erreichen wir ein langgestrecktes Plateau – die Himmelswiese, von deren höchstem Punkt aus sich wieder ein herrlicher Rundblick auf die südlichsten Bezirksteile Wiens bietet. Hier wenden uns nach links vom ausgetretenen Pfad ab, folgen in etwa der Richtung zur Burg Perchtoldsdorf und suchen die Stelle, an der die Rückseite einer rostigen Verbotstafel den Beginn eines schmalen Pfades durchs Gesträuch markiert. Auf ihm und dann am Rand des links angrenzenden Weingartens verlassen wir die Anhöhe und steuern die Zemlinskygasse von Kalksburg an.

Wir wandern die Zemlinskygasse nach links weiter. Gleich nach dem Haus Nr. 61 biegen wir rechts in die schmale, aus vielen Stufen bestehende Eisenberggasse ab, um hier in die Breitenfurter Straße abzusteigen, die wir gegenüber dem Haus mit der Nr. 507 erreichen. Wir gehen hier links, wechseln die Straßenseite und biegen in die Feldgasse ein, nur um sie gleich über die kurze Wiesmühlgasse zu verlassen. Letztere mündet in die Gasse An der Au, die wir nach rechts bis zum Ende weitergehen. Dort überqueren wir auf einem Steg die Reiche Liesing und landen in der Ketzergasse, in der wir uns nach links wenden.

An dieser Stelle stand einst das Rodauner Badhaus, dessen schwefelhältiges Wasser den Ruf genoss, heilende Wirkung zu besitzen. Ende des 19. Jh.s wurde die hier bestehende Gaststätte – der Stelzerhof – von den Besitzern zum „Wirtshaus von Österreich“ ausgebaut, das während des Ersten Weltkriegs als Kriegspressequartier diente und erst 1966 durch die bestehende Wohnhausanlage abgelöst wurde. Unmittelbar an diese Anlage schließt das Hoffmansthal-Schlössl an, das dem Dichter Hugo von Hofmannsthal viele Jahre als Wohnsitz diente.

Wenige Meter danach erreichen wir wieder die Kreuzung mit der Willergasse, wo am Beginn der Wanderung unser Aufstieg zur Bergkirche begann, und gehen die Ketzergasse zurück zum Ausgangspunkt (4 ¾ Std.).

AM WEGE

Folgt man vom Gasthaus zur Schießstätte aus dem Holzpfeil „Stadtwanderweg 6“, so kann man Österreichs einzigem ehemaligen Hornsteinbergwerk einen Besuch abstatten. Nach ca. 200 m in einem von Eichen, Buchen und Ahorn geprägten Waldstück erreichen wir eine Lichtung mit drei Sitzbalken. Im jetzt dicht verwachsenen Gelände dahinter wurden 1924 im Zuge der Schottergewinnung hier auf der Antonshöhe (356 m) Schächte und Stollen entdeckt, die offensichtlich von Menschenhand geschaffen worden waren. Werkzeugfunde ließen darauf schließen, dass an dieser Stelle in der jüngeren Steinzeit ein Bergbaubetrieb existierte, in dem Horn- und Feuerstein gefördert wurden. Dr. Josef Bayer, ein Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien (sein Gedenkstein befindet sich unmittelbar vor dem Gasthaus), bemühte sich am Beginn der 1930er-Jahre um die Erforschung dieser Fundstätte. Nach einem Vandalenakt mussten die informativen Schautafeln bedauerlicherweise abmontiert werden; sie sind nun im Naturhistorischen Museum zu besichtigen.